(Deutsch) Mailand

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Mailand                                                                                                                                                                                                                                                                                                           

(italienisch Milano) ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Italiens. Es ist Hauptstadt der Region Lombardei sowie der Provinz Mailand und neben Rom das wichtigste wirtschaftliche Zentrum Italiens. Die Metropolregion war 2006 mit 7,4 Millionen Einwohnern der größte Ballungsraum Italiens.

Mailand ist das Zentrum Italiens, was Wirtschaft, Mode, Design und Medien betrifft, und gilt als dessen „moralische Hauptstadt“ sowie als sein „Tor zur Welt“. Die Stadt ist u. a. für ihren gotischen Dom, ihr weltberühmtes Opernhaus Mailänder Scala, verschiedene Kunstschätze (darunter das Abendmahl Leonardo da Vincis), ihr exklusives Modeviertel, ihre in Italien tonangebende Kulturszene, ihre Fußballvereine AC Mailand und Inter Mailand sowie für die bedeutendste italienische Messe, „Fiera di Milano“, bekannt.

Um 400 v. Chr. wurde die Gegend um Mailand durch die keltischen Insubrer besiedelt. 222 v. Chr. eroberten die Römer diese Siedlung und verwendeten den lateinischen Namen Mediolanum. Ob es sich um einen Neologismus eines keltischen Namens oder einen neuen Namen aufgrund der Lage handelt, ist noch nicht ermittelt. Nach mehreren Jahrhunderten römischer Herrschaft wurde Mailand 286 von Kaiser Diokletian zur Hauptstadt der Weströmischen Reichshälfte erklärt. 313 wurde hier das sog. Mailänder Toleranzedikt (Mailänder Konvention) verkündet, in dem die Kaiser Konstantin und Licinius den Christen Glaubensfreiheit zusicherten.

402 wurde die Stadt von den Westgoten belagert (worauf die Kaiserresidenz nach Ravenna verlegt wurde), 50 Jahre später (452) nahmen die Hunnen die Stadt ein. 539 eroberten und zerstörten die Ostgoten Mailand im Verlauf des sog. Gotenkrieges gegen Kaiser Justinian. 569 fiel Mailand dann an die Langobarden, bis es 774 Teil des Frankenreiches wurde. Während des Eroberungskrieges des Kaisers Friedrich I. Barbarossa gegen die lombardischen Städte wurde Mailand 1162 größtenteils zerstört.

Im 1167 gegründeten Lombardischen Städtebund übernahm Mailand die führende Rolle. Nach der Unabhängigkeit, die den lombardischen Städten im Konstanzer Frieden 1183 zugesprochen wurde, entwickelte sich Mailand zur Signorie, zuerst unter den della Torre, ab 1277 unter den Visconti. 1395 wurde Gian Galeazzo Visconti zum ersten Herzog von Mailand. 1450 fiel Mailand an das Adelsgeschlecht der Sforza, die die Stadt zu einer der führenden der italienischen Renaissance ausbauten. 1492 erhob der französische König Ludwig XII. erstmals Ansprüche auf das Herzogtum. Nach seinem Sieg über die Schweizer 1515 in der Schlacht bei Marignano wurde das Herzogtum Frankreichs König Franz I. zugesprochen.

Nach dem Sieg Karls V. über Franz I. 1525 fiel mit Norditalien auch Mailand an das Haus Habsburg. 1556 dankte Karl V. zugunsten seines Sohnes Philipp II. und seines Bruders Ferdinand von Habsburg ab, so dass die italienischen Besitzungen an die hierdurch von Philipp II. begründete spanische Linie der Habsburger übergingen. 1700 starb mit dem Tode Karls II. diese spanische Linie des Hauses Habsburg jedoch aus. Danach begann 1701 der Spanische Erbfolgekrieg mit der Besetzung aller spanischen Besitzungen durch französische Truppen unter dem französischen Thronprätendenten. 1704 wurden die Franzosen in Ramillies und Turin geschlagen und mussten Norditalien zugunsten der österreichischen Habsburger räumen.

1714 wurden im Frieden von Rastatt die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand sowie das Herzogtum Mantua dann auch formell den österreichischen Habsburgern zugesprochen. Napoleon eroberte 1796 die Lombardei. Mailand wurde zur Hauptstadt der Cisalpinischen Republik erklärt. Nach dem Ende der Besatzung durch Napoleon wurden im Wiener Kongress 1815 Mailand und die Lombardei sowie Venetien wiederum Österreich zugesprochen. Im Jahr 1848 kam es zum Fünf-Tage-Aufstand der Bevölkerung gegen die österreichische Besatzung, in dessen Zuge Feldmarschall Radetzky mit seinen Truppen aus der Stadt vertrieben wurde, welche die Stadt aber drei Monate später wieder einnahmen. Nach der Niederlage Österreichs gegen die mit Frankreich verbündeten Truppen Sardinien-Piemonts und Frankreichs bei der Schlacht von Solferino fiel die ganze Lombardei 1859 an das Haus Sardinien-Piemont unter Viktor Emanuel II., der Keimzelle des damals entstehenden italienischen Königreichs (Risorgimento).

Vom Königreich Italien bis zur Gegenwart

Via Dante und das Castello Sforzesco

Durch die Industrialisierung wuchs die Stadt durch Zuwanderer aus anderen Landesteilen, v.a. aus dem ländlichen Nordost- und Süditalien, stark an und entwickelte sich zu einer der frühen Hochburgen der Arbeiterbewegung. Seit 1914 stellten die Sozialisten den Bürgermeister. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete sich 1919 der faschistische Fascio di Combattimento (Squadristi) in Mailand. 1922 begann Benito Mussolini von Mailand aus seinen Marsch auf Rom, mit dem die faschistische Diktatur in Italien ihren Anfang nahm; während des Faschismus gab es hier aber auch starke Aktivitäten der Resistenza. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt 1944 starke Zerstörungen. Seit dieser Zeit ist Mailand bekannt dafür, Erscheinungen vorwegzunehmen, die einige Jahre später auch in anderen Landesteilen auftreten. Gaetano Salvemini prägte dafür die Worte: “Quello che oggi pensa Milano, domani lo penserà l’Italia.” (“Das, was heute Mailand denkt, wird morgen Italien denken.”).

So war Mailand auch während der Zeit der 68er-Bewegung und der politisch unruhigen 1970er Jahre Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen revoltierenden Studenten und der Staatsmacht bzw. zwischen den oppositi estremisti, d.h. kommunistischen und faschistischen Jugendgruppen. 1969 ereignete sich hier der nie ganz aufgeklärte, aber vermutlich rechtsterroristische Bombenanschlag auf der Piazza Fontana.

In den 1980er Jahren entwickelte die Stadt dagegen den Ruf einer ruhigen, bürgerlichen und wirtschaftlich prosperierenden Metropole. Hier begann auch der Aufstieg des Bau- und Medienunternehmers Silvio Berlusconi, der zwischen 1993 und 2011 dreimal italienischer Ministerpräsident war.

Im 20. Jahrhundert wuchs Mailand infolge der Industrialisierung sehr schnell. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren zogen viele Millionen Italiener, insbesondere aus Süditalien, nach Mailand und dessen Hinterland. Von 1971 bis 2001 ist die Einwohnerzahl der Stadt selbst vom bisherigen Höchstwert von offiziell ca. 1.732.000 Einwohnern bis auf 1.256.000 drastisch gesunken. Dieser Rückgang erklärt sich mit der Abwanderung der Einwohner ins direkte Umland, hauptsächlich aufgrund der hohen Immobilienpreise in der Stadt, aber auch mit den praktisch unverändert gebliebenen Stadtgrenzen trotz eines fast durchgängig fließenden Übergangs in die (etwa 50) wachsenden Vorstädte, die der Provinz, aber nicht der Stadt Mailand zugehören. Seit 2001 verzeichnet auch Mailand selbst wieder ein leichtes Einwohnerwachstum.

Bauwerke

Kirchen

Die Kathedrale befindet sich auf der Piazza del Duomo. Das wichtigste Werk der gotischen Baukunst in Italien wurde 1386 in der Visconti-Herrschaft begonnen. Der Bau dauerte über fünf Jahrhunderte. Insgesamt stehen 3.400 Statuen auf den Spitzen des Domes. Den höchsten Punkt des Domes nimmt die Madonnina ein. Die Madonnina ist eine 4 m große goldene Statue in 108,50 m Höhe. Sie ist das Symbol Mailands.

Basilika Sant’Ambrogio mit dem Grab des Kirchenvaters und Stadtheiligen St.Ambrosius

Kirche Santa Maria delle Grazie, in deren Refektorium sich das weltberühmte Fresko Das Abendmahl Leonardo da Vincis befindet

Sonstige

Das Castello Sforzesco ist die 1300 gegründete Burg der Mailänder Herzöge.

Das um 1500 von Leonardo da Vinci mitentworfene Schifffahrtskanalsystem der Navigli.

Die Galleria Vittorio Emanuele II ist eine prunkvolle Einkaufspassage des 19. Jahrhunderts. Sie verbindet die Piazza del Duomo mit der Piazza della Scala.

Museen

Ein Museum neben der Kirche Santa Maria delle Grazie birgt das weltberühmte Secco „Das Abendmahl“ von Leonardo da Vinci.

In der Pinacoteca di Brera sind Gemälde von Tintoretto, Caravaggio und Hayez zu besichtigen.

Museo Bagatti Valsecchi ist ein Hausmuseum des 19. Jahrhunderts mit Kunstsammlungen aus der italienischen Renaissance.

Museo Civico di Storia Naturale di Milano ist eines der größten Naturkundemuseen Italiens.

Der Cimitero Monumentale von Mailand beherbergt die Gräber berühmter Persönlichkeiten.

Pirelli-Hochhaus

Stadttore

Eine Reihe von Stadttoren blieb nach der Schleifung der Stadtmauern von Mailand erhalten und wurde in die monumentale urbanistische Gestaltung des 19. und 20. Jahrhunderts einbezogen. Es sind dies unter anderem die

Porta Garibaldi

Porta Nuova

Porta Romana

Porta Sempione mit dem Arco della Pace

Porta Ticinese

Porta Venezia (vor 1860 Porta Orientale)

Kulinarische Mailand

Die italienische Küche ist grundsätzlich sehr abwechslungsreich und bietet in jeder Region dieses wunderbaren Landes typische Spezialitäten, die sich aus Produkten der jeweiligen Landschaft zusammensetzen. Die Italiener lieben ihre eigenen Erzeugnisse und verarbeiten sie zu wahren Delikatessen, die meistens ohne grossen Schnick-Schnack oder Verzierung auskommen und einfach aufgrund ihrer Frische und des hervorragenden geschmacklichen Zusammenspiels köstliche Gerichte ergeben.

So ist es auch mit den Spezialitäten der Lombardei, die man in den Restaurants in Mailand probieren sollte. Ein echter Klassiker der Mailänder Küche ist das „Osso Buco alla milanese“ (Kalbshaxe in Scheiben), das zusammen mit einem „Risotto allo Zafferano“ (Safran-Risotto) serviert wird. Aber auch eine goldgelb gebratene Polenta zu einer Portion „Involtini alla Mostarda di Cremona“ (Roulade mit süssem Senf aus Cremona) ist zu empfehlen. Polenta wird nicht nur als Beilage zu Fleisch-oder Fischgerichten serviert, sondern steht als eigenständiges Gericht mit zerlassener Butter und zartschmelzendem Parmigiano – oder als besonders „edle“ Variante mit gehobelten Trüffelscheiben auf den meisten Speisekarten der gehobenen Restaurants.

Sehr viel bodenständiger ist da sicher die „Busecca“ (Kuttelsuppe), die in und um Mailand gerne gegessen wird. Sie ist insofern aufwendig in der Zubereitung, als die Kutteln (Pansen) viele Stunden in Salzwasser gekocht werden, ehe sie mit den restlichen Zutaten, d. h. Gemüse und Zwiebeln weiterverarbeitet werden. Wer seine Suppe lieber weniger „fleischig“ mag, ist mit einer „Minestrone alla Lombarda“ gut beraten, denn er erhält eine Gemüsesuppe, die aus Reis, Kartoffeln, diversen Gemüsesorten und Kräutern besteht und mit geriebenem Käse (meist Parmesan) bestreut serviert wird.

Sehenswürdigkeiten

Dom Santa Maria Nascente

Der Mailänder Dom, dessen Grundstein 1386 gelegt wurde, ist durch viele Jahrhunderte gewachsen. Trotz langer Bauzeit bis ins 19. Jh. bleibt er ein großartiges Zeugnis lombardischer Gotik. Die Fassade wurde allerdings nach mehreren Baustufen stark historisierend vollendet. Mit einer Außenlänge von 158 m und einer Grundfläche von 11400 m² gehört der Mailänder Dom zu den größten Kirchen der Christenheit.

Der Vierungsturm wird von einer vergoldeten Marienstatue aus Kupfer geschmückt, die im Volksmund Madonnina („Madönnchen“) genannt wird, aber immerhin 4,16 m hoch ist und mehrere Tonnen wiegt. Das Dach zieren rund 3500 Figuren (Heiligenstatuen, Tiere, Dämonen). Das fünfschiffige Innere im mehrfach gebrochenen Dämmerlicht wird von riesigen Glasfenstern beherrscht: Auf 1700 m² sind rund 3600 Personen abgebildet. Der Zugang zu Ausgrabungen der Antike und den Fundamenten der Vorgängerbauten

Welchem Dom kann man schon aufs Dach steigen? Beim Mailänder geht es. Es gibt sogar einen Fahrstuhl. Von oben bietet sich ein ungewöhnlich schöner Blick auf die Piazza, die Galleria, die grünen Dachterrassen, die ganze Innenstadt und natürlich auf die Domarchitektur selbst.

Palazzo Reale

An der Stelle des mittelalterlichen Palazzo Ducale, der ein eigenes großes Theater hatte, in dem noch Mozart aufgetreten war, entstand Ende des 18. Jhs. dieser neoklassizistische Herrschaftspalast nach Plänen von Giuseppe Piermarini. Im Sommer finden im Hof Film- und Musikveranstaltungen statt

Corso Venezia

Die ehemalige Nobelstraße von der Piazza San Babila zur Porta Venezia wird von interessanten Stadtpalästen wie der Casa Fontana-Silvestri (Nr. 10) aus der Renaissance, dem Palazzo Serbelloni (Nr. 16) aus dem Neoklassizismus oder dem Palazzo Castiglioni (Nr. 47) aus der Jugendstilzeit gesäumt.

Galleria Vittorio Emanuele II

Il salotto, die gute Stube der Stadt mit Bars, Restaurants, Geschäften (darunter viele Buchhandlungen), ist ein weltlicher Tempel aus Stein, Stahl und Glas, mit dem sich das Mailänder Bürgertum selber ein Denkmal setzte und die nationale Einheit feierte. Die Kuppel (höchster Punkt 47 m) entspricht mit ihren Innenmaßen der Kuppel des römischen Petersdoms. Giuseppe Mengoni, der Architekt dieser zwischen 1865 und 1877 erbauten Galerie, kam kurz vor ihrer Vollendung bei einem Sturz vom Baugerüst ums Leben. Zwischen Piazza del Duomo und Piazza della Scala

Teatro alla Scala

Sie ist der vielleicht bekannteste Botschafter Mailands in der Welt: die Scala. Das Opernhaus ließ der Architekt Giuseppe Piermarini 1778 an der Piazza della Scala an Stelle der baufälligen gotischen Kirche Santa Maria alla Scala errichten. Anfangs war die Oper noch ganz in Azur- und Ockertöne getaucht, und das Parkett bot nur Stehplätze. Der rote Damast, mit dem die fünf hufeisenförmigen Logenränge heute ausgeschlagen sind, ist eine Erfindung des späten 19. Jhs. Im 19. Jh. erlangte das Theater mit seinen Uraufführungen von Rossini-, Verdi- oder Puccini-Opern Weltruf. Sänger und Sängerinnen wie Enrico Caruso oder Maria Callas schrieben die Erfolgsgeschichte im 20. Jh. weiter.

Die Scala ist zu einem Symbol der Stadt geworden. Als sie im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde, baute man sie nach Kriegsende schnell wieder auf – noch bevor Wohnungen, Krankenhäuser oder andere öffentliche Gebäude repariert wurden. Scala, das bedeutet kulturelles Leben, und kulturelles Leben, das heißt Zukunft. In der Eile ging man nicht immer gründlich vor. Vieles wurde einfach übermalt, anstatt es fachmännisch zu restaurieren. So wurden bei der Restaurierung nach Plänen von Mario Botta zwischen 2002 und 2004 hinter Farbschichten Marmorstrukturen freigelegt, und unter dem Teppichboden tauchten alte Steinfliesen venezianischer Art auf. Auch wurde die Akustik entscheidend verbessert, und an den Rücken der Stühle sind Displays angebracht, auf denen man das Libretto in verschiedenen Sprachen verfolgen kann. Ein neues Bühnenhaus bietet zudem die Möglichkeit, drei Inszenierungen parallel vorzubereiten, und auf den Verwaltungstrakt aus dem 19. Jh. setzte der Tessiner Architekt einen umstrittenen ellipsenförmigen Aufbau.

Arco della Pace

Auf dem „Friedensbogen“ thront die Siegesgöttin, weil er – 1807 von Luigi Cagnola im neoklassizistischen Stil gebaut – ursprünglich als Triumphbogen für die Erfolge Napoleons werben sollte. Später verewigten sich hier zunächst die Österreicher und dann die Piemontesen als Einiger Italiens.

Castello Sforzesco

Die Burg der Herrscherfamilien Mailands (zuerst die Visconti, dann die Sforza) entstand, um Sicherheit vor den eigenen Untertanen zu geben – und nicht etwa, um die Stadt vor äußeren Feinden zu schützen. Ab 1368 wurde ein erstes Kastell an der Stadtmauer errichtet. Ludovico il Moro ließ es Ende des 15. Jhs. mit schlossähnlichen, repräsentativen Gebäuden u.a. von Bramante und Leonardo ausbauen. Die Anlage wurde Vorbild für den Bau des Kremls, der ab 1485 in Moskau von italienischen Künstlern errichtet wurde. Unter Spaniern und Österreichern diente das Castello weiterhin als Residenz und Zitadelle; von hier aus ließ General Radetzky während der Märzaufstände 1848 die Stadt beschießen. Eine Restaurierung des späten 19. Jhs. verfälscht durch die Betonung des höfischen Charakters die Geschichte. Der Turm über dem Eingangstor ist eine Nachbildung des 1521 zerstörten Turms, den der Renaissancebaumeister Filarete entworfen hatte. Im Inneren hinter dem Waffenhof liegen die Zugänge zu den Museumsanlagen

Musei del Castello

Die Spannweite der unterschiedlichen Sammlungen ist atemraubend: Es gibt lombardische Skulpturen von der Spätantike bis zum Barock, norditalienische Malerei von den Anfängen bis zum 18. Jh., Wandteppiche, Möbel, Musikinstrumente, Waffen, Keramiken und Schmuck. Wer Zeit hat, sollte den Besuch auf mehrere Tage verteilen. Zu den Höhepunkten der Sammlung alter Kunst (Civico Museo d’Arte Antica) zählen das gotische Grabmonument von Bonino da Campione für Bernabò Visconti (um 1363), die von Leonardo ausgemalte Sala delle Asse, die die Illusion einer offenen Eichenlaube herstellen soll (1498), und Michelangelos unvollendete Skulptur Pietà Rondanini, an der der Künstler bis wenige Tage vor seinem Tod 1564 gearbeitet hat (Zugang alle 20 Minuten, je maximal 30 Besucher). In der Pinakothek finden Sie u. a. Andrea Mantegnas „Madonna mit Heiligen“

Parco Sempione

Der Landschaftsarchitekt Emilio Alemagna hat um 1890 auf dem Gelände hinter dem Castello Sforzesco diesen herrlichen Park angelegt: mit Denkmälern (u.a. für Napoleon III.), einer Brunnenanlage von Giorgio De Chirico („Bagni Misteriosi“), Spielplätzen und einem kleinen See. Am Rand nahe dem Arco della Pace liegt die von Antonio Canova erbaute klassizistische Arena – ein Sportstadion, in dem früher Inter und Milan ihre Spiele austrugen.

Torre Branca

Genau 108 m hoch ist der Turm, der 1933 anlässlich der Triennale in nur zweieinhalb Monaten nach Plänen des Architekten Giò Ponti errichtet wurde. Nach langer Restaurierungszeit kann man mit dem Fahrstuhl zu einer Aussichtskabine fahren, von der Sie einen tollen Blick über die Stadt haben – bei garantiert gutem Wetter, denn andernfalls bleibt der Turm geschlossen. Eindrucksvoll sind auch die Aussichten auf das Lichtermeer bei den

Naviglio Grande

Der Naviglio Grande verbindet Mailand mit dem Oberlauf des Ticino und mit dem Lago Maggiore. Im 12. Jh. begonnen, ließ man auf ihm Waren aller Art transportieren, vor allem Baumaterialien, u.a. den Marmor für den Dom. Heute kann man die Uferstraßen ideal für Fahrradausflüge nutzen. Besonders am Kopfende finden sich noch schöne alte Bebauungen, zum Beispiel Reste einer öffentlichen Waschanlage im Vicolo dei Lavandai. Am letzten Sonntag im Monat (außer Juli/August) breitet sich längs der Uferstraßen ein großer Antiquitäten- und Trödelmarkt aus. Über Bootsfahrten, die gelegentlich im Sommer angeboten werden, informiert die Touristeninformation.

Naviglio Pavese und Darsena

Dieser Kanal wurde bereits im 4. Jh. geplant. Er stellt die Verbindung nach Pavia und zum Unterlauf des Ticino her. In der Darsena, einem ehemaligen Hafenbecken aus dem 17. Jh., fließen Naviglio Pavese und Naviglio Grande zusammen.

Monza

Die Stadt (120000 Ew.) am nördlichen Rand von Mailand, seit 2008 Hauptort einer eigenen Provinz, war früher Residenz der langobardischen Könige. Wichtigstes Baudenkmal ist der gotische Dom, in dem die berühmte eiserne Krone der Langobarden aufbewahrt wird, mit der bis Napoleon alle italienischen Könige gekrönt wurden. Giuseppe Piermarini baute um 1780 am Rand von Monza die Villa Reale, ein Sommerschloss für die österreichischen Statthalter der Lombardei. Die dazugehörige riesige Parkanlage  ist ein beliebtes Ausflugsziel. Am Rand des Parks liegt das Autodrom, wo Autorennen ausgetragen werden. An manchen rennfreien Tagen kann man mit dem eigenen Wagen einige Runden drehen

Pirelli-Hochaus

Das Symbol der Mailänder Modernität wurde von Giò Ponti und anderen 1955-59 in seinen eleganten Formen ursprünglich als Verwaltungssitz für die Reifenfirma Pirelli errichtet. Seit 1979 residiert hier die Regionalverwaltung der Lombardei. Mit einer Höhe von 127 m ist es das erste Mailänder Gebäude, das die Madonnina auf dem Dom (108 m), die bis dahin als Höhenmaß aller Bauten galt, überragte.

Stazione Centrale

Der Hauptbahnhof der Stadt aus Marmor erhebt sich wie ein Steingebirge 207 m breit und 36 m hoch am Ende der Via Pisani. Er war bereits vor dem Ersten Weltkrieg geplant, wurde aber erst Anfang der Dreißigerjahre in den müden Formen eines späten Jugendstils fertig gestellt. Die Stazione Centrale war von Anfang an nicht recht funktional, und deshalb baut man (vor allem im Inneren) ohne Unterlass an ihr herum. Im Bahnhof finden Sie zwei bis 23 Uhr geöffnete Supermärkte, eine Apotheke

Fleischliebhaber sind in Mailand gut aufgehoben, denn die lombardische Küche zeichnet sich durch viele unterschiedlich zubereitete Fleischgerichte aus. Man stelle sich nur einen zarten „Brassato alla milanese“ vor, das heisst einen Rinderschmorbraten, der in einer Flasche Montepulciano oder Barbera D’Alba seine Garzeit verbracht hat und auf der Zunge zergeht. Von der herrlichen dunklen Sausse wird wohl kein Tröpfchen auf dem Teller bleiben. Man könnte sich auch ein „Cotoletto alla milanese“ bestellen, was ja eigentlich nichts anderes als ein leckeres paniertes Kotelett ist und die meisten sicher zu Hause auch schon mal essen. Da gibt es vielleicht doch einige andere Gerichte auf der Speisekarte, die man in seinem Urlaub in Italien eher probieren sollte.

Im Sommer ist ein „Carpaccio di Bresaola“ eine tolle Abwechslung zu einem Rindercarpaccio, das man mittlerweile fast überall kennt. Bresaola ist ein luftgetrockneter, besonders zarter Rinderschinken, der im besten Fall mit ein paar Tropfen eines guten Olivenöls und dem Saft einer frischen Zitrone beträufelt wird. Frisch gemahlener Pfeffer und einige dünn gehobelten Späne Parmigiano darüber, herrliches italienisches Weissbrot und ein leckerer Rotwein dazu und schon hat man ein perfektes Gericht. Wenn es etwas mehr sein soll, passt z. B. frittierter grüner Spargel perfekt dazu.

Typische Nudelgerichte der Region haben oft mit Käse zu tun, denn sowohl der Gorgonzola als auch der Taleggio sind in der Lombardei sehr beliebt. Die gefüllten „Tortellini alla Gorgonzola“ oder „Penne alla milanese“ mit Broccoli und Gorgonzolasauce, aber auch verschiedene Variationen mit Taleggio-Käse findet man hier auf fast jeder Karte, denn dieser zartschmelzende Käse eignet sich hervorragend für alle überbackenen Gerichte. Je nach Reifegrad entwickelt er einen zunehmend würzigeren Geschmack und wird auch gerne auf einer Käseplatte in Kombination mit Birne, süssem Senf und einigen bitteren Blättern Radicchio angeboten. Wo wir gerade bei Käse und Obst sind sollte man auch die Kombination von Gorgonzolakäse mit einem Apfel oder auch einem reifen italienischen, weissfleischigen Pfirsich nicht unterschätzen- schmeckt wirklich toll und verträgt ein Gläschen Moscato aus dem Piemont zur Ergänzung.

Süsses spielt in Italien eine relativ grosse Rolle, wie man an den vielfältigen Desserts erkennt. Auch hier hat jede Region in Italien ihre Vorlieben. Die Lombardei ist bekannt für die allseits beliebten Amaretti, ein Gebäck aus Mandeln, Eischnee, Zucker und Bittermandelöl. Sie werden oft zum Kaffee oder Espresso gereicht und sind entweder aussen hart und knusprig mit einem weicheren Kern oder „Morbidi“, das heisst weich und zergehen auf der Zunge. Die härtere Variante lässt sich wunderbar in einen Amaretto die Saronno stippen, was den bitteren Mandelgeschmack noch betont.

Süss und begehrt ist ebenfalls der „Torrone“, ein weisser „Nougat“, den es ebenfalls in hart oder weich zu kaufen gibt. Er besteht grundsätzlich aus Mandeln, manchmal Nüssen, Honig, Zucker und geschlagenem Eiweiss, wird aber auch mit Schokolade überzogen oder mit den exquisiten Haselnüssen aus dem Piemont verfeinert angeboten. „Torrone“ ist in ganz Italien beliebt und wurde früher eigentlich ähnlich wie der Mailänder „Panettone“ nur zu Weihnachten verzehrt. Heute ist der italienische „Nougatturm“ ganzjährig zu kaufen, was seiner Beliebtheit nicht geschadet hat. Der „Panettone“ gehört zu den bekanntesten Mailänder Spezialitäten, wobei man leider sagen muss, das ähnlich wie beim Prosecco die Nachahmungsversuche, die in Deutschland zu Weihnachten auf den Markt kommen, in Nichts mit diesen luftigen und sehr aromatischen italienischen Kuchen gemein haben. Der originale Panettone aus Mailand ist ein Hefekuchen mit kandierten Früchten und Rosinen, manchmal auch mit Schokoladenstücken, der zum Espresso, Kaffee oder auch zu einem Glas süssem Likör oder Wein gereicht wird. Natürlich findet man in den Restaurants von Mailand auch fast alle anderen italienischen Desserts und muss weder auf ein Tiramisu noch auf eine Zabaione verzichten, aber in jeder Region dieses wunderbaren Reiselandes freut man sich über Gäste, die die örtlichen Spezialitäten probieren und entsprechend honorieren.

Ein kleiner Hinweis für alle Italien-Neulinge: In italienischen Restaurants ist es üblich für Brot und Gedeck einen kleinen Extrabetrag zu bezahlen. Steht auf ihrer Rechnung also der Begriff „Coperto“ oder „Pane e Coperto“, so bezeichnet er genau diesen Vorgang, der pro Person mit bis zu 2,50 € berechnet wird. Über ein nettes Trinkgeld freut sich das meist sehr aufmerksame Servicepersonal in Italien bestimmt genauso wie über ein deutliches Lob für das leckere italienische Essen, das man ihnen bestimmt mit dem typisch italienischen Charme serviert hat.

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